Herausforderungen annehmen und erfolgreich Barrieren überwinden: Wie können junge Menschen beteiligt werden?


1. Einleitung

Willkommen zu unseren Selbstlernmodulen, die sich an junge Menschen richten, die mehr über Inklusion (Aktion Mensch, 2012) in der Jugendarbeit erfahren möchten. Unsere Lernmodule adressieren insbesondere auch seh-, hör- und körperbeeinträchtige junge Menschen, um die Beteiligung dieser wichtigen Zielgruppen in der internationalen Jugendarbeit zu stärken. Unser Ziel ist es, junge Menschen zu motivieren, als DARE-Botschafterinnen und DARE-Botschafter aktiv zu werden (Digitales DARE Handbuch für Empowerment, 2020, S. 18) und Peers[1] für die internationale Jugendarbeit zu begeistern. Die Module bieten jungen Menschen die Möglichkeit, sich mehr Wissen zu zentralen Themen der inklusiven Bildungsarbeit anzueignen.

In diesem ersten Modul möchten wir dich einladen, dich damit zu beschäftigen, wie du zu mehr Mobilisierung (mobilisieren=in Bewegung bringen) junger Menschen beitragen kannst. Insbesondere junge Menschen mit Beeinträchtigungen sind vielen Barrieren (=Hindernissen) ausgesetzt, die verhindern, dass sie einfach an Jugendaktivitäten teilzunehmen können. Mit den hier zusammengestellten Materialien wollen wir auf solche Hindernisse aufmerksam machen. Dadurch sollen sie sichtbar und Stück für Stück abgebaut werden.

Dieses Modul geht insbesondere auf die folgenden Themen ein:

  • Inklusion;
  • Abbau von Barrieren;
  • Motivation und Mobilisierung junger Menschen, um sie stärker an Jugendaktivitäten zu beteiligen.

Am Ende dieses Moduls wirst du:

  • verstehen, was Inklusion bedeutet;
  • mehr über mögliche Barrieren und ihre Reduktion wissen;
  • Ideen haben, wie du deine Peers zu mehr Beteiligung in der (internationalen) inklusiven Jugendaktivitäten motivieren kannst.

[1] „Peer“ ist ein englisches Wort, das aber auch in Deutschland verwendet wird. Es bedeutet „gleichaltrig“, „gleichrangig“. Peers sind also Menschen, die in ähnliche Lebenssituationen sind.

2. Die Herausforderungen von Inklusion

Inklusion ist in der UN-Behindertenrechtskonvention (Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, N/A) verankert und ist ein Menschenrecht. Inklusion bedeutet, dass alle Menschen gleichberechtigt am Leben in der Gesellschaft teilnehmen können und die gleichen Möglichkeiten haben, unabhängig von ihrem Hintergrund, Geschlecht, Alter oder ihrer Behinderung.

Aber es gibt keine Inklusion ohne Barrierefreiheit (Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, N/A). Obwohl die UN-Konvention jedem Menschen das Recht auf volle Teilhabe (Hurraki, 2015) garantiert, haben es Menschen mit Behinderung täglich mit vielen Barrieren zu tun, die sie daran hindern, ohne fremde Hilfe im Leben zurechtzukommen. Diese Barrieren existieren zum Teil leider aufgrund von Unwissen, Ignoranz oder mangelndem Interesse. Dabei könnten sie mit mehr Bewusstsein für das Thema und guter Planung oft vermieden werden.

Es liegt auf der Hand, dass der Abbau und die Beseitigung dieser Barrieren das Ziel sein muss. Das gilt auch für die internationale Jugendarbeit, die ebenfalls oft nicht barrierefrei ist. Wenn der Zugang zu den Angeboten schwierig ist, sind Frustration und Rückzug die Folge. Offenheit, Beteiligung und Mobilisierung bleiben dann oft eine Herausforderung.

Die UN-Behindertenrechtskonvention. Quelle.

2.1 Beispiele für Barrieren

Um Partizipationsbarrieren (Partizipation=Beteiligung) erfolgreich abzubauen, ist es wichtig, diese Barrieren zunächst zu identifizieren und zu verstehen. Die Weltgesundheitsorganisation definiert Barrieren wie folgt (WHO, 2001, Übersetzung und Anpassung durch die Verfasser): “Barrieren sind Faktoren in der Umgebung einer Person, durch deren Fehlen oder Vorhandensein die Funktionsfähigkeit der Person einschränkt wird und so eine Behinderung verursacht wird.

Das beinhaltet:

  • die räumliche Umgebung, die nicht zugänglich ist;
  • das Fehlen wichtiger Hilfsmittel (unterstützende, fördernde und
    therapeutische Geräte);
  • negative Einstellungen von Menschen gegenüber Behinderung;
  • Dienstleistungen, Systeme und Maßnahmen, die entweder nicht vorhanden sind oder die die Einbeziehung von Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen in alle Lebensbereiche behindern.”

Diese Definition zeigt, dass Barrieren mehr als nur räumliche Hindernisse sind und dass sie auf verschiedenen Ebenen entstehen können. Im Folgenden findet ihr drei Beispiele für mögliche (Zugangs-)Barrieren (Inklumat, 2014) und Ideen, was gegen sie getan werden kann.

  • Einstellungsbedingte Barrieren sind Bilder in unseren Köpfen, die wir von bestimmten Gruppen haben. Aus diesen Bildern können negative Einstellungen entstehen und zu Mitleid, Wertung und Verurteilung von Menschen aus diesen Gruppen führen. Das wiederum kann Ausgrenzung, Diskriminierung oder den Aufbau neuer Barrieren nach sich ziehen.

Wenn z. B. die Einstellung verbreitet wäre, dass behinderte Menschen nicht alleine reisen können, würden Jugendarbeiter*innen sie möglicherweise nicht als Teilnehmende ihrer internationalen Aktivitäten mitdenken. In der Folge würden solche Angebote nicht für behinderte Menschen entwickelt werden, was dazu führen würde, dass behinderte Menschen ausgeschlossen blieben.

Glücklicherweise ist hier schon viel geschehen. Durch das soziale Modell (barrierefrei kommunizieren, 2019) von Behinderung hat ein Perspektivenwechsel stattgefunden. Behinderung wird nicht länger als Abweichung von einer “Norm” gesehen, die durch einen Mangel bei der behinderten Person entsteht. Weil die Ursache für Behinderung nun in der Umwelt gesehen wird, ist es eben auch die Aufgabe der Gesellschaft, die Barrieren abzubauen und so Teilhabe zu ermöglichen.

  • Kommunikationsbarrieren entstehen, wenn sich die Kommunikationsstrategien zwischen Menschen unterscheiden. Das Fehlen von Gebärdensprachdolmetschenden oder fehlende Untertitel in Videos können für gehörlose Menschen Hindernisse darstellen, ebenso wie Kleingedrucktes oder nicht angepasste Online-Dokumente (z. B. für Screenreader) für Menschen mit Sehschwäche.
  • Die Verwendung von einfacher Sprache (DARE Leitfaden für Inklusion, 2020, s. 45), Visualisierungen oder barrierefreies Webdesign ermöglichen die Anpassung von Inhalten an die Bedürfnisse verschiedener Menschen und macht Informationen leichter verständlich.

  • Physische Barrieren sind Hindernisse in der räumlichen Umgebung, die die Bewegung oder den Zugang von Menschen einschränken können. Klassische Beispiele sind Treppen, die Menschen im Rollstuhl daran hindern, einen Raum zu betreten, oder hoch hängende Regale, die nur durch Aufstehen erreicht werden können. Ein barrierefreier Veranstaltungsort oder Informationen, die an gut erreichbaren Stellen angebracht sind, können das Auftreten solcher Barrieren verhindern.

Das sind nur einige Beispiele. Es gibt noch viele weitere mögliche Barrieren. Einige von ihnen machen es für Menschen mit Behinderung extrem schwierig, sich gleichberechtigt beteiligen zu können. Es ist außerdem wichtig, sich bewusst zu machen, dass oft mehr als eine Barriere gleichzeitig auftritt. Aber die Beispiele zeigen auch, dass kleine, achtsame Anpassungen bereits viel verändern können.

Quelle

2.2 Barrieren in der Jugendarbeit überwinden

Die folgende Übersicht listet einige der Barrieren auf, die im Rahmen von Jugendarbeit auftreten können und zeigt Wege zum Umgang mit ihnen. Der Umgang mit Partizipationsbarrieren kann sehr unterschiedlich sein, da diese sehr individuell oder spezifisch sein können. Es sollte klar sein, dass es wichtig ist, gemeinsam mit den jungen Menschen aus den Zielgruppen nach passenden Lösungen zu suchen und diese umzusetzen. So wird die Jugendarbeit für mehr und neue Interessensgruppen zugänglich und ermöglicht so die gleichberechtigte und volle Teilhabe aller jungen Menschen.

Sieh dir die folgenden Beispiele für Barrieren an:

  • Junge Menschen sind sich nicht über ihr Recht und die Möglichkeit bewusst, an internationalen Jugendaktivitäten teilnehmen zu können.
    • Suche nach Informationen zu inklusiven Jugendmobilitäten online oder setz dich mit Jugendarbeiter*innen in Verbindung. Teile die Infos mit deinen Peers. Nutze soziale Medien und direkten Kontakt, um verschiedene Zielgruppen zu erreichen und zu interessieren.
    • Organisiere Kampagnen, um die Besonderheiten und den Mehrwert von internationalen inklusiven Mobilitäten bekannt zu machen.
    • Schau in unsere mobile DARE App, wo du mehr über die Rechte auf Beteiligung an internationalen Jugendaktivitäten erfahren kannst.
  • Junge Menschen mit Behinderungen haben Ängste, wenig Selbstvertrauen oder negative Erfahrungen mit Ausgrenzung und Diskriminierung gemacht und sind unsicher.
    • Lade junge Menschen mit positiven Erfahrungen in der Jugendarbeit ein, diese zu teilen und auf Bedenken und Unsicherheiten einzugehen.
    • Beziehe Jugendarbeiter*innen und Fachkräfte der Jugendarbeit etc. ein, um den Prozess der Vertrauensbildung zu unterstützen.
    • Beziehe z. B. junge Menschen mit seh-, hör- oder Körperbeeinträchtigungen in die Planungs- und Entwicklungsprozesse von Jugendmobilitäten aktiv ein. So können sie Erfahrungen sammeln, ihre Fähigkeiten weiterentwickeln und Vertrauen gewinnen.
  • Zugangsbedürfnisse werden nicht berücksichtigt, so z. B. Bedürfnisse in Hinblick auf Kommunikation, Zugänglichkeit von Gebäuden und Räumen, Transport, Assistenz, Verpflegung usw.
    • Weise Organisator*innen auf diese Problematik hin, damit sie die Zugangsmöglichkeiten für ihre Aktivitäten anpassen können.
    • Organisiere Treffen von z. B. jungen Menschen mit Seh-, Hör- und Körperbeeinträchtigungen mit Akteur*innen der Jugendarbeit, um über die Verbesserung der Barrierefreiheit in der Jugendarbeit nachzudenken.
    • Dokumentiere Fehler und Probleme, um diese in der zukünftigen Projektplanung berücksichtigen zu können.
    • Erarbeite mit Vertreter*innen deiner Peers eine Liste, die zusammenfasst, was eurer Meinung nach in Bezug auf Barrierefreiheit von Jugendarbeit alles berücksichtigt werden sollte. Denkt daran, dass Barrierefreiheit nicht nur bedeutet, in ein Gebäude reinzukommen. Barrierefreiheit hat das Ziel, dass alle sich beteiligen können.
    • Versuch positiv zu bleiben und eine fehlerfreundliche Atmosphäre zu schaffen, in der alle voneinander lernen und in einem gemeinschaftlichen Prozess gemeinsame Lösungen finden können.

3. Mobilisierung junger Menschen

Das europäische Programm Erasmus+ (Europäische Kommission, N/A) zielt darauf ab, junge Menschen zu mobilisieren. Das bedeutet so viel wie „in Bewegung bringen”. Die Idee ist, dass alle jungen Menschen in Europa die Möglichkeit bekommen, an internationalen Austauschprogrammen teilzunehmen. Dort sollen sie neue Erfahrungen machen, mehr über Europa und seine Gesellschaften lernen, ihr Selbstwertgefühl steigern und ihre europäische Identität stärken (Erasmus+ Programmleitfaden, 2020). Inklusive Aktivitäten sind ein wichtiger Schwerpunkt des Förderprogramms Erasmus+.

Unsere DARE-Botschafterinnen und Botschafter sollen die Ziele des Erasmus+ Programms unterstützen. Wir haben das DARE Peer Unterstützungsmodel (Digitales DARE Handbuch für Empowerment, 2020, S. 17ff.) entwickelt, um verschiedene Möglichkeiten aufzuzeigen, wie junge Menschen in der Jugendarbeit unterstützt, ermutigt und beteiligt werden können. Ein entscheidender Schritt in Richtung ihrer Beteiligung ist es zunächst, die Gründe zu verstehen, die sie an einer Teilnahme hindern.

All together. Quelle

3.1 Wie können junge Menschen erreicht werden?

Wie bereits festgestellt wurde, ist es wichtig, zunächst herauszufinden, warum junge Menschen nicht an Jugendmobilitätsprogrammen teilnehmen. Dazu kann man sie direkt befragen, aber es ist nicht immer zu erwarten, dass sie die Gründe kennen oder bereit sind, diese mitzuteilen. Dies kann insbesondere dann der Fall sein, wenn diese Gründe sehr persönlich sind.

Daher ist es hilfreich, die Jugendlichen besser kennenzulernen, am besten in ihrem Umfeld, um zu verstehen, woher sie kommen. Das folgende Modell (Jugend für Europa, 2008, S. 27ff.) kann euch als DARE-Botschafterinnen und Botschafter dabei unterstützen, mit euren Zielgruppen in Kontakt zu kommen und vielleicht am Ende die eine oder andere Person für die internationale Jugendarbeit zu begeistern.

Schritt 1 – Lerne die jungen Menschen in ihrem Umfeld kennen

  • Baue Vertrauen und eine positive Beziehung auf, um mit deinen Peers in einen offenen und ehrlichen Dialog zu kommen.
  • Besuch Orte, an denen du Menschen aus deinen Zielgruppen triffst. Verbringe Zeit mit ihnen und lerne ihr Umfeld und ihre Lebenssituation kennen.
  • Sprich mit den jungen Menschen über ihre Bedürfnisse und Wünsche. Höre ihnen zu und sammle wichtige Informationen, um ihre Barrieren zu erkennen und ihre aktive Beteiligung zu unterstützen.

Schritt 2 – Baue eine Beziehung auf

  • Interessiere dich dafür, was deine Peers tun und wie sie es tun. Sprich mit ihnen über ihre Erfahrungen.
  • Sei transparent und offen. Eine vertrauensvolle Beziehung ist immer beidseitig. Auch du musst dich öffnen. Teile persönliche Geschichten und erzähl von deinen Ideen, Aktivitäten und Absichten.

Schritt 3 – Analysiere die Informationen

  • Werte die gesammelten Informationen aus und analysiere sie. So wirst du viel über die Herausforderungen und Hindernisse erfahren, mit denen deine Peers im täglichen Leben zurechtkommen müssen.
  • Entwickle Ideen dafür, wie Teilnahmebarrieren verringert oder beseitigt werden können.
  • Stelle keine Vermutungen auf. Überprüfe deine Ergebnisse und Überlegungen, indem du sie mit deinen Peers besprichst.

Schritt 4 – Beteilige deine Peers von Anfang an

  • Organisiere lokale, nationale oder internationale inklusive Jugendaktivitäten, an denen sich deine Peers beteiligen können.
  • Binde deine Peers von Anfang an ein, damit ihre Meinungen, Perspektiven und Bedürfnisse bereits in der Planung berücksichtigt werden.
  • Bitte deine Peers um Unterstützung, um mehr junge Menschen aus ihren Gemeinschaften zu erreichen und in Jugendaktivitäten zu engagieren.

Übung 1.1

Titel des Moduls Modul 1: Herausforderungen annehmen und erfolgreich Barrieren überwinden: Wie können junge Menschen beteiligt werden?
Titel der Übung: Schau dich um!
Kenncode der Übung: A1.1
Dauer der Übung Ca. 2 Stunden
Art des Materials Arbeitsblatt
Ziel der Übung Mit dieser Aktivität sollen Ausgrenzungsmechanismen in unserem täglichen Leben sichtbar gemacht werden. Die Lernenden denken über ihr Konzept von Gesellschaft nach, werden für Barrieren sensibilisiert und motiviert, Veränderungen anzuregen.
Benötigte Materialien für die Übung
  • Papier und Stift;
  • Vorstellungskraft;

Schritt-für-Schritt Anleitung

Wir möchten dich nun auf eine kleine Fantasiereise einladen. Unten findest du eine Geschichte. Während du sie liest, versetz dich selbst in die Situation und erkunde die Umgebung vor deinem inneren Auge.

Schritt 1

Lies die folgende Geschichte aufmerksam durch.

“Du kommst in einer Jugendherberge an, in der du während einer Jugendbegegnung wohnen wirst. Bald wirst du die anderen Teilnehmenden kennenlernen. Aber zuerst musst du einchecken. Du findest die Rezeption. Deinen Schlüssel gibt dir eine nette Person, die an der Rezeption arbeitet. Du machst dich auf die Suche nach deinem Zimmer.

Während du durch die Gänge der Jugendherberge läufst, kommst du an der Gemeinschaftsküche vorbei. Dort ist gerade das Reinigungspersonal fleißig am Putzen. Du grüßt freundlich und gehst weiter. Auf dem Flur steht eine Gruppe junger Menschen, die sich unterhalten. Vielleicht sind das auch Teilnehmende deiner Jugendbegegnung? Aus dem Aufenthaltsraum hörst du lautes Lachen. Dort spielt eine Gruppe Jugendlicher Tischtennis. Auf dem Sofa daneben sitzt ein flirtendes Pärchen.

Und schließlich, dort, am Ende des Flurs, ist dein Zimmer. Du klopfst und gehst rein und wirst herzlich von den anderen Teilnehmenden begrüßt, mit denen du dein Zimmer teilst.

Schritt 2

Nimm nun ein Papier und einen Stift. Lies die Geschichte noch einmal und achte auf alle Personen, denen du in deiner Vorstellung begegnest.

Mach jedes Mal eine kurze Pause, wenn du einer neuen Person/Gruppe von Personen begegnest. Dann beantworte die folgenden Fragen und schreib dir zu jeder Person/Gruppe von Personen einige Stichworte auf, bevor du weiterliest:

  • Wer ist diese Person?
  • Wie sieht die Person aus?
  • Was sind Eigenschaften und Merkmale dieser Person?
  • Ist etwas besonders an dieser Person?

Schritt 3

Vor dir ist nun eine Liste mit verschiedenen Personen, die dir auf deiner Fantasiereise begegnet sind. Bestimmt hast du viele spannende Menschen getroffen. Aber welche Menschen und gesellschaftlichen Gruppen waren dabei und welche haben gefehlt?

Sieh dir deine Liste noch einmal genauer an und frage dich:

  • Hast du Menschen verschiedenen Alters getroffen?
  • Hast du Menschen unterschiedlichen Geschlechts getroffen?
  • Hast du Menschen unterschiedlicher Hautfarbe getroffen?
  • Hast du Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung getroffen (z. B. schwule oder lesbische Personen)?
  • Hast du Menschen mit einer Behinderung getroffen?

In dieser Übung geht es nicht um richtig oder falsch. Es geht darum zu zeigen, wie wir gewohnt sind, die Welt um uns herum wahrzunehmen.

Wir haben in unseren Leben meist mit Menschen aus ähnlichen sozialen Gruppen zu tun, und oft sind wir den Kontakt mit z. B. behinderten Menschen nicht gewohnt. Und wenn wir sogar auf einer Fantasiereise wenig unterschiedlichen Menschen begegnen, wie können wir dann die Barrieren um uns herum wahrnehmen, durch die unterschiedliche Menschen daran gehindert werden, teilzunehmen oder überhaupt sichtbar zu sein?

Schritt 4

Übertrage nun die Erkenntnisse aus dieser Übung in deinen Alltag. Geh in einen Jugendclub, in einen Sportverein oder schau dich mal in deiner Schule um. Frag dich dabei: “Wer fehlt?” und vergiss nicht zu fragen: „Warum?“!

Sprich mit anderen Menschen über deine Beobachtungen. Manchmal sind sich Menschen nicht bewusst, dass sie jemanden nicht sehen oder übersehen. Indem du sie darauf aufmerksam machst, kannst du schon viel verändern. So hilfst du aktiv mit Barrieren abzubauen, die deine Mitmenschen daran hindern, gleichberechtigt am Leben in der Gesellschaft teilnehmen.

[Diese Aktivität ist inspiriert von der Übung “The Park”, in: No Barriers No Boarders, Salto Youth, 2003, S.14]

Übung 1.2

Titel des Moduls Modul 1: Herausforderungen annehmen und erfolgreich Barrieren überwinden: Wie können junge Menschen beteiligt werden?
Titel der Übung: Portfolio: “Mobilisiere deine Peers”
Kenncode der Übung: A1.2
Dauer der Übung

Recherche: 2 Stunden

Vorbereitung: 3 Stunden

Art des Materials Arbeitsblatt
Ziel der Übung

Das Ziel dieser Aktivität ist es, ein Portfolio der inklusiven internationalen Jugendarbeit zu erstellen.

Ein Portfolio ist eine Projektmappe mit einer Sammlung von Materialien, Informationen, Bildern und Webseiten. Diese kannst du nutzen, um deinen Peers Besonderheiten inklusiver internationaler Jugendarbeit zu präsentieren.

Berücksichtige bei der Zusammenstellung der Inhalte die Zielgruppen, die du erreichen möchtest. Die Erstellung des Portfolios wird auch für dich ein wertvoller Lern- und Reflexionsprozess sein. Während der Recherche und Vorbereitung kannst du dein bereits vorhandenes Wissen überprüfen und gleichzeitig neue Informationen bezüglich der Mobilisierung junger Menschen sammeln.

Benötigte Materialien für die Übung

Hängt davon ab, wie du dein Portfolio gestalten möchtest:

  • ein digitales Gerät, z. B. Computer, Drucker und eine Kamera könnten sinnvoll sein; Internet;
  • auch Kreativmaterialien wie buntes Papier, Stifte und Marker, Kleber, Schere etc. könnten nützlich sein.

Schritt-für-Schritt Anleitung

Um deine Peers für mehr Beteiligung zu begeistern und sie zu aktivieren, können einige ansprechende und farbenfrohe Materialien und Bilder sehr hilfreich sein. Auf diese Weise können die Elemente des inklusiven Jugendaustauschs positiv präsentiert werden. Gleichzeitig können Antworten auf mögliche Unsicherheiten junger Menschen gut strukturiert zusammengefasst werden. Da zu viele Informationen verwirren können, ist es wichtig, nur die gebrauchten und aussagekräftigen Informationen in deinem Portfolio zusammenzufassen.

Schritt 1: Die Recherche

Wenn du dich entschieden hast, ein kreatives Portfolio zur inklusiven Jugendarbeit zu erstellen, musst du zunächst die wichtigsten Informationen recherchieren. Das geht natürlich am besten online. Du kannst aber auch Flyer, Fotos und im Fall von Online-Portfolios auch Videos nutzen und dich mit verschiedenen Menschen austauschen, deren Perspektiven du in dein Portfolio einbauen kannst.

Schritt 2: Das Medium

Am Anfang ist es wichtig zu entscheiden, wie dein Portfolio aussehen soll. Dies kann von der Zielgruppe abhängen, die auf eine bestimmte Weise leichter zu erreichen ist, oder von den Materialien und Ressourcen, die dir zur Verfügung stehen (siehe Schritt 3).

  • Physisches Portfolio: Ein physisches Portfolio kann z. B. wie ein Fotoalbum aussehen. Du kannst es kreativ gestalten, indem du Fotos, Ausdrucke und Projektflyer einklebst, usw. Wenn du dich für ein physisches Portfolio entscheidest, kannst du es wahrscheinlich einscannen, wenn du fertig bist. Dann hast du auch eine digitale Version, die du z. B. per E-Mail versenden kannst. Hier findest du etwas Inspiration.
  • Online-Portfolio: Ein Online-Portfolio kann eine einfache Website, ein Profil in den sozialen Medien oder ein PDF-Dokument sein, das bei Bedarf auch ausgedruckt werden kann. Ein solches Portfolio kann einfach per E-Mail oder über andere digitale Kanäle verschickt werden. Bei der Erstellung von Online-Portfolios ist es wichtig, auf die Barrierefreiheit des digitalen Portfolios zu achten. Erfahre mehr hierzu in Kapitel 5 „B für Barrierefreiheit“ unseres DARE Leitfaden für Inklusion (S. 73ff.)

Schritt 3: Die Struktur

Wahrscheinlich hast du jetzt immer noch eine Menge verschiedener Materialien. Das ist normal und du kannst nicht alles in deinem Portfolio aufnehmen. Nimm dir Zeit und geh alles noch einmal durch, damit du dir sicher sein kannst, dass du alles berücksichtigt hast. Denk immer an die Zielgruppen, die du erreichen willst, wenn du die Materialien, Bilder und Medien auswählst.

Sei kritisch bei der Auswahl der Informationen, die du in deinem Portfolio aufnehmen willst.
Folgende Fragen können bei der Auswahl hilfreich sein:

  • Was ist wichtig/nicht wichtig an dieser Information?
  • Was zeigt/erklärt sie?
  • Welche Personengruppen werden berücksichtigt/ angesprochen/dargestellt?
  • Wer von den Menschen, die ich erreichen will, fehlt in den Informationen?
  • Sind die Informationen für alle verständlich? Wenn nicht, was muss geändert werden?

Diese Vorgehensweise wird dir helfen, dich nicht in Details zu verstricken.

Es kann sein, dass deine Peers verschiedene Fragen haben, wenn sie darüber nachdenken, an einer inklusiven Jugendbegegnung teilzunehmen. Versuch bei den ausgewählten Informationen unterschiedliche Perspektiven zu berücksichtigen und abzubilden.
Achte auf eine logische und verständliche Struktur und stell sicher, dass dein Portfolio den Mehrwert einer Teilnahme an internationalen inklusiven Jugendbegegnungen abbildet. Suche nach starken Argumenten, die deine Peers motivieren werden, selbst aktiv zu werden.

Schritt 4: Das Portfolio

Du hast nun entschieden, wie dein Portfolio gestaltet sein soll, und kannst mit der Erstellung und Gestaltung beginnen.

Zögere nicht, die geplante Struktur zu ändern oder Material, Informationen und Bilder hinzuzufügen, wenn es sinnvoll ist. Solltest du dir bei einer Information unsicher sein, dann stell keine Vermutungen an, sondern prüf die Information besser nochmal. Du kannst dich z. B. mit Personen beraten, die bereits mehr Erfahrungen in der inklusiven internationalen Jugendarbeit haben.

Schritt 5: Der Kontakt

Dein Portfolio wird Menschen dazu inspirieren, an internationalen inklusiven Jugendbegegnungen teilzunehmen. Zeige ihnen klare Zugangswege und Handlungsstrategien, indem du auch die Kontaktdaten von dir oder von anderen wichtigen Organisationen und Ansprechpartnern in dein Portfolio einfügst. So können sie, wenn sie an einer Teilnahme interessiert sind, direkt Kontakt aufnehmen.

Schritt 6: Die Überarbeitung

Herzlichen Glückwunsch! Du bist mit dem Portfolio fertig und hast während der Vorbereitung sicherlich viel über den Mehrwert und die positiven Auswirkungen von internationaler inklusiver Jugendarbeit gelernt.

Außerdem hast du jetzt ein großartiges Produkt, das du mit anderen teilen und junge Menschen, mit und ohne Behinderungen, dazu inspirieren kannst, sich mehr in der Jugendarbeit zu engagieren.

Mit der Zeit wirst du dich wahrscheinlich mit verschiedenen Menschen austauschen und neue Ideen bekommen. Vielleicht stellst du auch fest, dass du bestimmte Aspekte noch nicht genug berücksichtigt hast oder dass einige Informationen nicht mehr gültig sind.
Überarbeite deshalb dein Portfolio von Zeit zu Zeit.

[Aktivität entwickelt von Kreisau-Initiative e. V.]

Zusätzliche Lernmaterialien Material 1.1

Titel des Moduls Modul 1: Herausforderungen annehmen und erfolgreich Barrieren überwinden: Wie können junge Menschen beteiligt werden?
Titel des Materials: Die Zugangsstudie zum internationalen Jugendaustausch: Ergebnisse des Forschungsprojektes
Kenncode des Materials: R 1.1
Einführung in das Material: Der internationale Jugendaustausch bietet jungen Menschen Raum und Zeit für wichtige Erfahrungen sowie für die Persönlichkeitsentwicklung. Er sollte daher ein wichtiger Teil des Lebens junger Menschen sein. Die Zugangsstudie untersucht Gründe, die junge Menschen dennoch daran hindern, selbstverständlich an solchen Programmen teilzunehmen.
Was bringt dir das Material? Die Lernenden erhalten einen Überblick über Faktoren und Barrieren, die eine Teilnahme junger Menschen an internationalen Jugendaktivitäten beeinflussen können. Diese Informationen sind eine wertvolle Ressource für die Entwicklung von inklusiven und attraktiven Aktivitäten in der internationalen Jugendarbeit.
Link zum Material: Veröffentlichung: Die Zugangsstudie Ergebnisse des Forschungsprojektes (Forschung und Praxis im Dialog, 2019).


Material 1.2

Titel des Moduls Modul 1: Herausforderungen annehmen und erfolgreich Barrieren überwinden: Wie können junge Menschen beteiligt werden?
Titel des Materials:

Ja, lass uns loslegen!

Kenncode des Materials: R 1.2
Einführung in das Material:

„Ja, lass uns loslegen!“ ist eine Bildergeschichte, die eine praxisnahe Anleitung zur Planung, Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung inklusiver internationaler Begegnung ist. Sie soll Menschen in der Jugendarbeit dazu inspirieren, inklusive Aktivitäten zu planen und durchzuführen.

Was bringt dir das Material? In der Geschichte gehen die Lernenden gemeinsam mit den Hauptfiguren den Weg zu einer inklusiven internationalen Jugendbegegnung. Sie entdecken viele interessante und wertvolle Materialien, die ihnen in ihrer Rolle als DARE-Botschafter*innen eine wichtige Unterstützung sein werden.
Link zum Material:

Online-Präsentation: „Ja, lass und loslegen! Aber wie?“ (IJAB, 2020).

Barrierefreie PDF Version: „Ja, lass uns loslegen! - Aber wie?“ (IJAB, 2020).

Material 1.3

Titel des Moduls Modul 1: Herausforderungen annehmen und erfolgreich Barrieren überwinden: Wie können junge Menschen beteiligt werden?
Titel des Materials: Das DARE Peer Unterstützungsmodell
Kenncode des Materials: R 1.3
Einführung in das Material: Das DARE Peer Unterstützungsmodell zeigt, wie aktive junge Menschen andere junge Menschen, also z. B. Peers dabei unterstützen können, ihre Beteiligungsmöglichkeiten kennenzulernen und wahrzunehmen.
Was bringt dir das Material? Es werden Strategien und Ideen vorgestellt, wie sich junge Menschen mit und ohne Behinderungen gegenseitig unterstützen und motivieren können, um auf verschiedenen Ebenen der Jugendarbeit aktiv zu werden.
Link zum Material: Veröffentlichung: Das DARE Peer Unterstützungsmodell (Digitales DARE Handbuch für Empowernment, S. 17ff).

Material 1.4

Titel des Moduls Modul 1: Herausforderungen annehmen und erfolgreich Barrieren überwinden: Wie können junge Menschen beteiligt werden?
Titel des Materials: DARE Leitfaden für Inklusion
Kenncode des Materials: R1.4
Einführung in das Material: Kapitel 2 des Leitfadens “Um, über und jenseits von Barrieren” befasst sich vertieft mit Teilnahmebarrieren und zeigt Möglichkeiten auf, diese zu überwinden.
Was bringt dir das Material? Die Lernenden entwickeln ein Verständnis für Teilnahmebarrieren und setzen sich insbesondere durch praktische Impulse mit Lösungsansätzen auseinander.
Link zum Material:

Veröffentlichung: DARE Leitfaden für Inklusion, (2020, S. 28ff).

Material 1.5

Titel des Moduls Modul 1: Herausforderungen annehmen und erfolgreich Barrieren überwinden: Wie können junge Menschen beteiligt werden?
Titel des Materials: Barrieren beseitigen
Kenncode des Materials: R1.5
Einführung in das Material: Das kurze Video (1:41min) mit dem englischen Titel “Removing Barriers (=Barrieren beseitigen) erklärt das soziale Modell von Behinderungen. Es macht deutlich, dass der gezielte Abbau von Barrieren die volle Teilhabe aller Menschen gewährleistet kann.
Was bringt dir das Material? Die Lernenden werden verstehen, wie die Beseitigung von Barrieren zur vollen Teilnahme aller Menschen beitragen kann.
Link zum Material:

Video: Removing Barriers (Unlimited, 2018).

Literatur/Internetquellen:

Aktion Mensch. 2012. Was ist Inklusion? [Online] Abgerufen 25. Januar 2021.

barrierefrei kommunizieren. 2019. Soziales Modell, Menschenrechte, Inklusion. [Online] Abgerufen 25. Januar 2021.

Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen. N/A. Die UN-Konvention. [Online] Abgerufen 25. Januar 2021.

Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen. N/A. Barrierefreiheit. [Online] Abgerufen 25. Januar 2021.

DARE Leitfaden für Inklusion. 2020. [Online] Abgerufen 25. Januar 2021.

Digitales DARE Handbuch für Empowerment. 2020. Das DARE Peer Unterstützungsmodell. [Online] Abgerufen 25. Januar 2021.

Erasmus+ Programmleitfaden. 2020. [Online] Abgerufen 25. Januar 2021.

Europäische Kommission. N/A. Was ist Erasmus+? [Online] Abgerufen 25. Januar 2021.

IJAB. 2020. Vision:Inklusion: „Ja, lass und loslegen!“. [Online] Abgerufen 25. Januar 2021.

Jugend für Europa, 2008. T-Kit 8: Soziale Integration. [Online] Abgerufen 25. Januar 2021.

DARE Mobile App. 2020. Online] Abgerufen 25. Januar 2021.

Forschung und Praxis im Dialog. 2019. Die Zugangsstudie zum internationalen Jugendaustausch. Ergebnisse des Forschungsprojekts. [Online] Abgerufen 25. Januar 2021.

Hurraki-Wörterbuch für Leichte Sprache. 2015. Teilhabe. [Online] Abgerufen 25. Januar 2021.

Inklumat. 2014. Inklusion erfordert den Abbau aller Barrieren. [Online] Abgerufen 25. Januar 2021.

Salto Youth. 2003. No Barriers No Borders. [Online] Abgerufen 25. Januar 2021.

Unlimited. 2018. Removing Barriers. [online] Accessed 12 July 2020.

WHO (World Health Organization). Geneva, 2001. International classification of functioning, disability and health. p. 214.

Nach oben scrollen